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Podiumsdiskussion in der Stadthalle Bad Neustadt


In den letzten drei Monaten beherrschte der angekündigte Stellenabbau bei der Firma SIEMENS die lokale Presse und die Menschen der Region. Viele unmittelbar und mittelbar Betroffene blicken ungewiss in die Zukunft. Trotz der Brisanz des Thema zeichnete sich der regionale Protest unter dem Motto „Die Rhön steht auf“ durch konstruktive Veranstaltungen und Aktionen auf breiter gesellschaftlicher Ebene aus. Jüngste Aktion unter Federführung der IG Metall Schweinfurt war die Podiumsdiskussion in der Bad Neustädter Stadthalle.

 

Mit den Worten „die Menschen sind das wichtigste Kapital eines Unternehmens“ eröffnete Journalist und TV-Moderator Holger Laschka die Podiumsdiskussion und überlies zunächst dem Betriebsratvorsitzenden Bernhard Omert das Wort, der sich zunächst bei allen Akteuren vor Ort für die konstruktive, engagierte und vor allem ausdauernde Unterstützung bedankte. Omert ließ die vergangenen Aktionen Revue passieren und hob noch einmal seine persönlichen Highlights hervor: Zum einen erinnerte Omert an die Jugenddemo gegen den SIEMENS-Stellenabbau am 18. März, die verdeutlicht habe, wie ernst bereits die jungen Menschen der Region das Thema sehen und wie kritisch die Jugend die Zukunftschancen für sich in der Region beurteilen, sollte der Konzern an den Plänen festhalten. Weiter erinnerte Omert an die Montagsgebete und danke den Kirchen für ihre Hilfe.

 


Der Betriebsratsvorsitzende skizzierte die ersten positiven Ergebnisse der regionalen Aktionen. So hätte der Konzern die Absicht 200 Stellen aufgrund der konjunkturellen Lage zu streichen zurückgezogen und damit die Anzahl der bedrohten Stellen auf 640 reduziert. Zudem habe die Konzernführung entschieden, 100 Arbeitsplätze in der Sparte Windenergie am Standort Bad Neustadt zu schaffen, so dass insgesamt die Anzahl der gefährdeten Stellen auf 540 reduziert wurde. Omert merkt aber an, das dieses Ergebnis lediglich ein Zwischenergebnis darstellt und man „weiter Gas geben muss“, um eine vernünftige Lösung zu erzielen. Selbst SIEMENS spreche nicht mehr von Werksschließung, das macht Mut und sei für die Region ein Ansporn, weiterhin an einer Lösung zu arbeiten.

 

 

Bruno Altrichter, Erster Bürgermeister der Stadt Bad Neustadt, erläuterte in seinem Eingangsstatement die Bedeutung des SIEMENS-Konzerns und verwies auf die lokalen Verflechtungen. Der Konzern und die Stadt Bad Neustadt profitieren bereits seit über 70 Jahren voneinander und sei bereit, die bislang gute Partnerschaft fortzuführen. Altrichter verwies in diesem Zusammenhang auf die beträchtlichen Infrastrukturausgaben, welche die Stadt immer wieder gerne in Kauf genommen hätte, um die Gewerbegebiete der Stadt dem sich stetig verändernden Bedarf anzupassen.

Landrat Thomas Habermann lobte die Geschlossenheit der Region im Kampf um den Erhalt der Stellen bei SIEMENS und kritisierte die inzwischen übliche Floskel des „sozialverträgliche Stellenabbaus“. Ein Abbau sei im Grunde nie wirklich sozialverträglich, entsprechend erwartet der Rhön-Grabfelder Landrat die Nominierung des Wortes Sozialverträglichkeit bei der kommenden Wahl zum Unwort des Jahres. „Es geht um regionalverträgliche Lösungsansätze!“, erläuterte Habermann. Die Notwendigkeit, Lösungen den regionalen Bedürfnissen anzupassen, ergäben sich aufgrund mehrerer Faktoren und Einflüsse. Zum einen sei eine regionalverträgliche Lösung ein wichtiger Bausstein im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft, vielleicht der wichtigste Bausstein. Zum anderen deckt sich das Ziel der Regionalverträglichkeit mit dem Prinzip der Sozialbindung des Eigentums. Zudem sei unser staatliches System von allen gesellschaftlichen Akteuren getragen, auch global operierenden Konzernen müsse ihre Verantwortung bewusst sein und zu ihrer Verantwortung stehen.

 


Der Landrat erwähnte das Gespräch zwischen Ministerpräsident Seehofer, Wirtschaftsminister Zeil, Landtagspräsidentin Stamm und SIEMENS Vorstandsvorsitzender Löscher sowie IG Metall-Vertreter Adam am 19. April 2010. Direkt im Anschluss an das Treffen führte er ein ausführliches Telefongespräch mit dem Ministerpräsidenten. Das jüngst erfolgte Zugeständnis des Vorstandsvorsitzenden der SIEMENS AG sei ein erster positiver Zwischenschritt.
Landrat und Bürgermeister warben gemeinsam für einen Fortbestand des regionalen Zusammenhalts für eine erfolgreiche Zukunft.

Zur von Holger Laschka moderierten Podiumsdiskussion gesellten sich Jugendseelsorger Thorsten Kapperer und Peter Kippes, 2. Bevollmächtigter der IG Metall in Schweinfurt.
Kippes bedankte sich für die Geschlossenheit vor Ort und erklärte, dass man nur deshalb auf einem guten Weg sei, weil man von Beginn an besonnen vorgegangen sei und nicht hitzig und übereilt falsche Maßnahmen ergriffen hätte. Anschließend eröffnete Laschka die Diskussion und bat das Publikum, die Chance für Fragen und Statement zu ergreifen.

 

 

Pecht-Geschäftsführer Horst Dömling unterstrich in seiner Funktion als Stellvertretender Vorsitzender des Stadtmarketing Vereins die Bedeutung der Einkommen, die derzeit bei SIEMENS auf dem Spiel stehen und erklärte, dass die tief greifenden Verflechtungen alle Menschen vor Ort betreffen. Kippes und Habermann bedankten sich für den Einwand und betonten, dass die regionale Bereitschaft der Menschen vor Ort den Schlüssel darstellt, um den betroffenen SIEMENSianern zu einer sinnvollen Lösung zu verhelfen und sich beim Vorstand Gehör für konstruktive Vorschläge zu verschaffen.

Der heutige Rentner und ehemalige SIEMENSianer Franz Haupt berichtete von der beispielhaften Produktivität des Bad Neustädter Werkes, dass auf der Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter begründet sei. „1945 brauchte SIEMENS die Rhön, heute braucht die Rhön SIEMENS!“ Damit appellierte Haupt an die unternehmerische Verantwortung des Konzerns, der lange von den Menschen profitiert habe, die Region nicht aufgrund der weltwirtschaftlichen Lage aufzugeben. In der kommenden Aufschwungphase könnten beide Parteien wieder voneinander profitieren.

 

 

Der Betriebsrat Werner Schmitt regte an, die Montagsgebete fortzuführen. Thorsten Kapperer verwies auf die Planungen, ab Mai die Gebete fortzusetzen. Auf Anregung von Karlheinz Lottig könnte man die Gebete auch im freien, möglicherweise auf Verkehrsflächen, um die Aufmerksamkeit der Aktionen zu lenken, verlagern. Bürgermeister und Landrat signalisierten Ihre Zustimmung zu den Plänen. Lottig, einst Werksleiter bei SIEMENS, empfahl, die am 28. April geplante Kundgebung auf dem Wittelsbacher Platz zu nutzen, um auch überregionale Medien zu animieren, die Sorgen der Rhöner zu thematisieren.

 

 

Die Veranstaltung endete mit dem Verweis auf die SIEMENS-Bus-Aktion am 28. April 2010: Die Kundgebung der Rhöner auf dem Wittelsbacher Platz vor dem Hauptgebäude der SIEMENS AG in München zeitgleich zu Aufsichtsratssitzung.
In den Rathäusern und Verwaltungsgemeinschaften des Landkreises Rhön-Grabfeld und der Stadt Münnerstadt können sich Interessierte für die Fahrt anmelden. Ein Unkostenbeitrag von 10,-- EUR wird erhoben. Näheres zur Busaktion erfahren Sie auf unteren Seiten hier.

 

 

Fernsehtipp: Die Kamerateams von TV1 haben die Podiumsdiskussion begleitet und werden diese in Auszügen in ihren Programmzeiten (Donnerstags 19:30 Uhr und Sonntags 19:30 Uhr) ausstrahlen. Zudem ist der Mitschnitt unter www.tv-1.de im Internet einsehbar.

 

Internettipp: Live-Ticker der Mainpost, im Internet unter der URL http://www.mainpost.de/lokales/rhoengrabfeld/Liveticker-zum-Nachlesen-Wie-geht-es-mit-Siemens-weiter-;art765,5545870 einsehbar.

 


 




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