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Reinhold Albert

 

Brauchtum rund um den Dreikönigstag

 

„... dann schützt er das Haus und die Herzen

und schenkt Euch ein seliges Jahr!“

              

Der Dreikönigstag am 6. Januar beendet die heiligen Zwölf Nächte nach Heiligabend.  Es ist die Zeit zwischen dem alten (6.1.) und dem neuen (25.12.) Geburtstag Christi, zwischen dem alten und neuen Neu­jahrsfest - die friedfertigste Zeit im Jahr. Das Christentum feierte ja bekanntlich zuerst den 6. Januar und später den 25. Dezember als Jahresanfang. In den Familien wurde einst am 6. Januar ein zusätzli­ches Neujahrsfest gefeiert. Im heutigen deutschen Brauch stehen nicht nur die beiden kirch­lichen Namen (Epiphanias - Dreikönig) nebeneinander, auch die Volkssprache erinnert an die alten Verhältnisse, indem sie den 6. Januar dem Neujahr gleichsetzt und ihn als Groß- oder Hoch­neujahr als obersten (letzten) Tag („Überscht’n“) bezeichnet.

Die Heiligen Drei Könige kennt jeder, sogar dem Namen nach: Kaspar, Melchior, Balthasar. Nur nennt die biblische Weihnachtsge­schichte sie weder Könige, noch kennt sie ihre Zahl, geschweige denn ihre Namen. Bei Matthäus 2,1 lesen wir:

„Es kamen die Wei­sen aus dem Morgenland gen Jerusalem und spra­chen:

Wo ist der neugeborene König der Juden?

Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten."

Die Dreizahl der Weisen hat man aus ihren Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe geschlossen. Da bei Matthäus die Zahl der Weisen nicht angegeben ist, bür­gerte sich erst im Laufe der Zeit die Dreizahl ein

Auch an die alte Feier des "Lichtertages", an die Weihe von Taufwasser, Salz und Kreide erinnern heutige Kirchen- und Haus­bräuche.  Vor allem in katholischen Gegenden ist es Sitte, an Dreikönig die Anfangsbuchstaben der drei Königsnamen C + M + B über die Tür zu schreiben, dann Haus und Stall mit Weihrauch zu räuchern und mit Dreikönigswasser zu sprengen. In den zur Pfarrei Sternberg gehörenden Ortschaften war es einst üblich, daß der Pfarrer nach dem Hochamt an Dreikönig mit einigen Ministranten von Haus zu Haus zog und diesen frommen Brauch übte.

Die Glaubensformel C + M + B samt der Jahreszahl des neuen Jah­res an Dreikönig über die Haustür geschrieben, wurde erst nachträg­lich auf die Namen der drei Weisen bezogen: Die Formel meint ursprünglich: Christus mansionem benedicat - Christus, segne dieses Haus. Nach dem Volksglauben bleibt so das Übel ein gan­zes Jahr lang  diesem Hause fern.

Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts wurden die Drei Könige in der Malerei weißhäutig dargestellt. Dann jedoch tauchte auf einmal Kaspar, der jüngste in den mittelalterlichen Dreikönigs­spielen, als Mohr auf. Und die Maler folgten. Sie malten fortan den Kaspar schwarz.

Die vom Stern geführten Weisen aus dem Morgenland gaben dem Dreikönigstag einen dramatischen Akzent. So war es nicht verwun­derlich, daß man die Erzählung in der Kirche mit verteil­ten Rollen aufführte. Doch bald wanderte das Dreikönigsspiel auf die öffentlichen Plätze, und umgab sich mit großen Umzügen und prächtigem Pomp. Kaspar, der dunkelhäutige König, war schon bei diesen Spielen eine Art lustige Person. Er wurde später als selbständige Person der Spaßmacher in den nach ihm benannten Kasperle-Theatern.

Das Ende für das bunte Dreikönigsspiel kam mit der Reformation. Es blieben nur die Sternsinger übrig, die in den katholischen Dörfern unserer Heimat als Dreikönige heute noch von Haus zu Haus ziehen.

 

- Pfr. Guido Grünsfelder und die Ministranten suchten in den 60er Jahren an Dreikönig alle Anwesen in der Pfarrei Sternberg auf. Nachdem die Glaubensformel C+M+B an Häusern und Ställen geschrieben war, wurde das Vieh mit Weihrauch geräuchert und mit Dreikönigswasser besprengt. -

 

Manchmal ist noch ein Vierter dabei: Der Sternträger mit dem Glitzer­stern. Der Kaspar ist der rußgeschwärzte Mohr, der dem Jesus­kind Myrrhe mitbringt, der Melchior schwingt den Weihrauchkes­sel und der Balthasar, der in Bethlehem Geld opferte, hält heutzu­tage eine Zigarrenkiste oder eine Sammelbüchse umklammert, in welche die Geldspenden hineinkommen. Früher sammelten die Sternsinger die milden Gaben für sich selbst. Ein Sprüchlein, das mancherorts noch bekannt ist, erinnert daran: "Ich bin ein kleiner König, gebt mir nicht zu wenig. Laßt mich nicht zu lange stehen, ich muß ein Haus noch weitergehen!"

Seit die Kirche das Dreikönigssingen jedoch für ihre vielfälti­gen Missionsaufgaben einsetzt, hat dieses Singen einen frommen, nützlichen Sinn erhalten.

 

-  Die Sternberger und Zimmerauer Sternsinger bei ihrem Rundgang

Ende der 50er Jahre. -

 

Dreikönigssingen einst besondere Art der Bettelei

 

Im "Journal von und für Franken" aus dem Jahre 1792 ist über­liefert: "Zu den besonderen Arten der Bettelei gehört das Dreikönigssin­gen. Leute, die es gar nicht nötig hätten, und die oft weit entfernt sind, sich in dem Zustand der wirklichen Armut zu be­finden, z.B. Knechte, Taglöhner, auch wohl Söhne der Handwer­ker, erneuern nämlich alle Jahre die Geschichte von den heili­gen 3 Königen; und dies auf folgende Art: Sie gehen vor und nach dem Dreikönigsfest von Haus zu Haus, meist zu zweit, auch oft zu dritt. Ihr Anzug besteht in einem weiten Oberhemd, das sie über ihre gewöhnliche Kleidung anhaben, und das in der Mitte mit dem Gürtel umgürtet ist. Auf dem Haupte tragen sie eine Spitzenkrone von Goldpapier. So bald sie vor ein Haus kom­men, stimmen sie folgende erbauliche Lieder an:

"Reich und Arm soll'n fröhlich sein, auf diesen heil'gen Tag! Uns ist geboren ein Kindelein. Das alle Ding vermag;  dazu auch heilig ist, sein Name heißt Jesus Christ,

um unser aller Missetat vom Himmel kommen ist."

oder: "Vom Himmel hoch, da komme ich her, ich bring Euch gute neue Mär, der guten Mär bring ich so viel, davon ich singen und sagen will. Euch ist ein Kindlein heut geboren von einer Jungfrau auserkoren, ein Kindelein so zart und fein,

das soll Euer Freund und Wonne sein.“

oder: "Das neugeborne Kindelein das herzeliebe Jesulein, bringt abermal ein neues Jahr, der auserwählten Christenschar! Des freuen sich die Engelein die gerne um und bei uns sein, sie singen in den Lüften frei, daß Gott mit uns versöhnet sei."

Während diesem Singen (das Gott erbarm) drehen sie einen großen, rot angestrichenen Stern, oft mit Goldpapier überzogen, der sich an einem langen Stiel befindet, im Kreis herum. Manchmal ist in der Mitte des Sterns eine Kapsel, innerhalb welcher sich die ganze Geschichte der 3 Könige unter Glas vorge­stellt befindet."  Soweit der vor über 200 Jahren niedergeschriebene Bericht.

Die Spiele und Umzüge zum Dreikönigstag ähnelten den weih­nachtlichen. Auch die Reaktion der Obrigkeit war die gleiche.  Gegen die Dreikönigsdarsteller gab es wiederholt Dekrete "... wegen unverantwortlichen Mutwillen und unheiligem Unwesen." Am 23.12.1739 verbot König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, "... daß die Leute mit Kronen oder Masken gehen noch dergleichen Al­fanzein (veraltet für: Possen reißen, närrisch sein) mehr ge­trieben werden." 1765 schlug der Rat der Stadt Weimar dem Herzog Johann Ernst "... die Abschaffung des während Weihnacht-, Neuen Jahrs- und Heiligen Drei-Könige-Feiern eingeschlichenen, fast ärgerlichen Singens und Schreiens vor den Türen, ingleichen des Sternge­hens...." vor. In Erfurt drohte der Mainzer Statthalter 1702 gar, daß hierzu bestellte Soldaten Personen mit empfindlichen Schlägen, „... seyen sie jung oder alt", davon abhalten sollten, an Dreikönig sich mit „... Larven und verkehrten Kleidern" zu verkleiden.

 

 

- Die Sternberg/Zimmerauer Sternsinger in unseren Tagen. -

 

Im Hochstift Würzburg beschäftigte sich Fürstbischof Julius Echter mit diesen Umzügen. Es sei, so heißt es in einem Erlaß von 1584, „...seit etlichen Jahren in Brauch gekommen, daß vom Heiligen Christtag an wiederholt Rotten und Parteien in weißen Hemden in der Figur der Heiligen Drei Könige mit einem getrage­nen Stern alle Nacht bis auf den Dreikönigstag, sobald es Nacht wird bis um 9 Uhr in der Stadt herumlaufen und umsingen!" Es seien meist "starke Metzgers-, Häckers und dergleichen Buben und Gesinde". Das Schlimmste dabei sei, daß diese Banden die Leute, welche keine Spende geben, "... ganz verächtlich und be­drohlich angingen und sie mit Hohn und Spott übergossen." Sol­cher "Mißbrauch und Unfug" wurde unverzüglich abgeschafft. Nur den Schülern war es noch erlaubt am Drei­königstag "... von zwei Uhr bis der Türmer die Nacht anbläst" den Brauch weiter zu üben.

Leopold Höhl überlieferte in seinem 1892 erschienenen "Rhönspiegel" folgende Anekdote: Einmal wurden die Heiligen Drei Könige in einem Rhöner Dorf von einem Gendarmen arretiert und vor den gestrengen Herrn Landrichter gebracht. Der aber er­kannte sie als richtige Dreikönig, die nicht betteln, sondern nur freiwillige Gaben annehmen, ließ sie ihr Liedlein absingen und sammelte selbst bei seinem Amtspersonal zu einem Dreikö­nigsgeschenk. In früheren Zeiten soll sich mancher "Heiligerdreikönig" den Flachs zu einem Dutzend Hemden ersungen haben, so Höhl abschließend.

 

- Am „Goldenen Sonntag“ geweihtes Salz wurde einst an Dreikönig

dem Vieh in den Barren gestreut. -

 

 

Aberglaube rund um den Dreikönigstag

 

Allerlei Aberglaube wurde einst an Dreikönig gepflegt.  Die Nacht zum 6.1. ist die letzte, größte und gefährlichste der Rauhnächte. Das Totenheer, der Kö­nig Herodes, besonders aber Holle und Bercht ziehen durch die Nacht. Die unheimlichen Gei­ster machen sich, bevor sie ihr Wirken einstellen, noch einmal geltend in Haus und Hof. In die­ser Rauhnacht geht man nicht fort, es sei denn zur Kirche.  Es ist eine Nacht der Wunder, wie die Christnacht. Auch die Wünschelrute soll man an Dreikönig schneiden und sie auf den Namen der Heiligen taufen lassen: Caspar soll sie hei­ßen, wenn man Gold suchen will, Balthasar für Silber, Melchior für Wasser.

Wenn an Dreikönig nicht aller Kuchen von Weihnachten aufgeges­sen wird, bedeutet es Unglück. Dreikönigssalz tat man ins Butterfaß gegen Verhexung oder in die Suppe gegen Krankheit.

Man aß an diesem Tag Möhren, weil unter den drei Königen auch ein Mohr war. Ihr Verzehr sollte fürs folgende Jahr viel "rotes Geld" (Gold) sowie Weisheit garantieren.

Mitunter wurden die Namen der Heiligen Drei Könige auf Papier geschrieben und bei sich getragen. Dies sollte vor allen Krank­heiten und vor jedem Unglück schützen. Am Dreikönigstag könne man das Wetter des kommenden Jahres ab­lesen, hieß es. Jede Tagesstunde gelte für einen Monat im kom­menden Jahr.

Eine andere Übung war am Vorabend des Dreikönigstags zwölf Wei­zenkörner vor den Ofen zu legen, von denen jedes einen Monat bedeutete. Am Morgen des Festes konnte man ab­lesen, was einem in den Monaten bevorsteht. Die Körner, die am weite­sten fortge­sprungen waren, deuteten auf Glück, Gesundheit und gute Ernte. Längst in Vergessenheit geraten ist der 1520 von Johannes Böhm aufgezeichnete Brauch, an Dreikönig in jeder Familie einen Ku­chen aus Honig und Mehl mit Zimt und Pfeffer zu backen. An­schließend wählte man sich einen König auf folgende Weise: Die Familienmutter, die den Kuchen backte, legte aufs Geratewohl beim Kneten eine Münze in den Teig. Sie röstete dann den Ku­chen, nachdem er vom offenen Feuer genommen war auf dem heißen Herd. War der Kuchen gebacken, brach sie ihn in so viele Stücke als die Familie Personen hatte. Jetzt erhielt jeder ein Stück Kuchen. Auch Christus, die selige Jungfrau und die Hl. Drei Kö­nige bekamen ihre Teile, die als Almosen verschenkt wurden. In wessen Stück aber die Münze gefunden wurde, der ward von allen als König begrüßt, auf einen Stuhl gesetzt und dreimal unter Jubelgeschrei in die Höhe gehoben. Der Gefeierte selbst hielt in der Rechten eine Kreide und machte dann ebenso oft in die Zimmerdecke über sich das Kreuzzeichen. Diese Kreuze, die nach allgemeinem Glauben viel Unglück verhinderten, hielt man hoch in Ehren. 

In Sternberg i. Grabfeld vollzog der Haushaltsvorstand je­weils in den sogenannten drei heiligen Nächten, an Heiligabend, Silvester und einen Tag vor Dreikönig, folgendes Ritual: Abends wenn das Vieh abgefüttert war, suchte er den Stall auf, streute in die Tröge geweihtes Salz, das am "Goldenen Sonntag" (jeweils erster Sonntag im Monat) in der Kirche geweiht worden war. Au­ßerdem be­sprengte er den Troginhalt mit Weihwasser. An den Stalltüren und der Haustür wurde zusätzlich in der Nacht vor Dreikönig mit Blei­stift ein Kreuz aufgezeichnet, und dieses ebenfalls mit Weihwasser besprengt. Durch diese Handlung sollte das Glück in Haus und Hof gewährleistet sein.

 

 

Vergessener Obereßfelder Brauch

In einer volkskundlichen Umfrage des Vereins für Volkskunst und Volkskunde im München aus dem Jahre 1908, findet sich eine Auf­zeichnung des Untereßfelder Pfarrers Wiesner, der von einem Brauch in Obereßfeld berichtet. Wie allerorten gingen dort am Dreikönigs­tag junge Leute von Haus zu Haus und sagten folgende Sprüchlein auf, die heute gänzlich in Vergessenheit geraten sind.

Zunächst betrat der Kaspar den Hausern (Flur) und sprach:

"Ich bin Kaspar aus dem Morgenland, mich hat die Sonne so schwarz ge­brannt, wär ich geblieben am weißen See, wohl wär' ich jetzt so weiß wie der Schnee.

Wenn es die Leute zufrieden sein, so kommt mein Bruder Melchior auch herein. Sie werden schon zufrieden sein: Melchior komm herein!"

Darauf betrat Melchior das Zimmer und sprach:

"Wir Weisen zieh'n von Saalem ab, und reisen voll Sehnsucht nach der kleinen Da­vidstadt, der Glaube triumphiert in uns Wei­sen voraus, die Hoff­nung sie gestützet hat, ein Stern war wie­der unser'n Blick er­schienen, da war's in unseren Herzen so warm, so still steht er bei dem Haus, zeigt uns die Mutter dem Kinde im Arm: Wenn es die Leute zufrieden sein, so kommt mein Bruder Balthasar auch herein. Sie werden schon zufrieden sein: Balthasar komm herein."

Jetzt öffnete sich die Haustür und Balthasar sagte:

"Ich bin Balthasar aus Ostreich, und bin ein Engel Gottes zugleich. Hier habe ich das Szepter in meiner Hand und bin ein König von Gott gesandt!"

Kaspar:

„Wir haben einen Stern im Morgenland gesehen und sind ge­kommen, ihn anzubeten. Als ich mich in meiner Heimat im Morgen­lande glücklich und zufrieden fühlte, da entstand mit einemmal in meinem Herzen eine Ahnung, eine Sehnsucht, ein Verlangen, welches ich zu befriedigen darbot. Mein Verlangen war ein Hei­liges, näm­lich: Der heilige Christ hat mir eingegeben, der neu­geborene König der Juden sei geboren. Aus meiner Freude ging eine innere Stimme, besuchet denjenigen auf dem die Völker har­ren, eile zu ihm hin, bezeige ihm deine Ehrfurcht und Huldi­gung.

Da verließ ich dann alles, was ich hatte: Meinen königlichen Thron, meine königlichen Freuden und Vergnügen, rüstete mich ohne Säumnis auf  zu einer Reise voll Mühen und Gefahren, von der ich noch nicht einmal wußte, was für einen Weg ich nehmen sollte. Doch der allmächtige ließ seinen Stern am Himmelszelte vor mir herfah­ren, und mit diesem sicheren Geleite reiste ich vorwärts.

Am Fuße des Ölberges traf ich diese beiden Könige, die eben­falls ausgegangen waren, um zu finden denjenigen, den ich suchte, und so reisten wir weiter unter Sturm und Wetter kamen  durch viele Län­der und Dörfer und zuletzt auch nach Obereßfeld. Daselbst kommen wir an wie alle Wanderer, hungrig, durstig und mit leeren Geldbör­sen. Deshalb bitten wir die freundlichen Be­wohner dieses Hauses um eine kleine Gabe.

Wir sind die heiligen drei Könige, gebt uns nicht zu wenig,  laßt uns nicht so lange stehen, denn wir wollen auch weiter ge­hen!".

Soweit die um die Jahrhundertwende in der Grabfeldge­meinde üblichen Sprüche, an die sich heute niemand mehr erin­nern kann. Sie sollen übrigens auch in Königshofen aufge­sagt worden sein. 

 

-  Ein schöner Brauch hat sich über  Jahrhunderte erhalten:

Der Umgang der Obereßfelder Sternsinger am Dreikönigstag. -

 

 

 

- Ab dem 6. Januar werden in den Krippen die hl. Dreikönig aufgestellt, so wie hier in der Obereßfelder St. Nikolauskirche. Die  Obereßfelderin Andrea Back, geb. Perkuhn, hat vor einiger Zeit mit finanzieller Unterstützung durch den Dorfverein  die Krippe ausgezeichnet restauriert. -

 

Heute treten in Obereßfeld sechs Ministranten zum Dreikönigssin­gen an, von denen drei als die  heiligen drei Kö­nige verkleidet sind. Gemeinsamen singen sie in jedem Haus zunächst ein Lied mit folgendem Text:

 

"Nun sehet den Stern, den wir bringen. Ein Licht aus der himmlischen Pracht. Nun höret das Lied, das wir singen, ein Lied von der heiligen Nacht!

Wir kamen von weither gegangen durch Meere und Wüsten der Welt, wo alles noch dunkel verhan­gen, weil niemand die Erde erhellt."

Anschließend spricht der Sternträger:

"Wir grüßen dies Haus und wünschen Euch allen von Herzen

das göttliche Wohlgefallen!"

Mel­chior antwortet:

"Christus möge im Hause wohnen, für jede Wohltat Euch reichlich lohnen!"

Nachdem Kaspar gesprochen hat:

"Er segne das Haus, er möge Euch führen, das schreiben wir heute an Eure Türen!",

schreibt er mit weißer Kreide, die im Feiertagsgottesdienst vom Pfarrer gesegnet wurde, über die Haustür "19 + C + M + B + 98".

Nun tritt Balthasar hervor und teilt mit:

„Zuletzt, so ist es Brauch und Sitte, tret' ich hervor mit einer Bitte,

wie es mein Amt von mir verlangt. Für's Zuhör'n seid vielmals  bedankt.

Wir bitten Euch - Ihr wißt es schon - um Gaben für die Mission.

Drum öffnet willig Eure Hände und gebt uns eine gute Spende."

Bevor die Sternsinger zum nächsten Haus weiterziehen singen sie noch ein Lied mit folgendem  Text:

"Drum danket ihm froh das Erbarmen und lobet den gütigen Herrn

und kommt er zu Euch wie die Armen, dann schenket ihm fröhlich und gern.

Bewahret das Licht Eu­rer Kerzen und liebet den Herrn immerdar, dann schützt er das Haus und die Herzen und schenkt Euch ein seliges Jahr!"

 

Das Stärktrinken

 

Was heute noch vereinzelt in unserer Heimat gepflegt wird, ist das soge­nannte Stärketrinken an Dreikönig. "In vielen Orten Südthüringens führen die Männer ihre Frauen am Dreikönigstag in das nächste Wirtshaus, um sich bei einem 'Biergelage' die sogenannte 'Stärke' anzutrinken, die sie für das kommende Jahr brauchen!" wird in den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts in der "Thüringer Volkskunde" mitgeteilt.

Im Königshöfer Grabfeld ist dieser Brauch, über dessen Ursprung wenig bekannt ist, weitgehend in Vergessenheit geraten. Einige Zeitgenossen, wie z.B. der Obereßfelder Landwirt Edgar Ruck, wissen zwar noch zu berichten, daß sie einstmals in der Spinnstube an Dreikönig "Stärk" tranken. Meist wurde damals Most erwärmt und als eine Art Punsch getrunken. Mit dem Untergang des Spinnstundenbrauchs schwand im Grabfeld auch der Brauch des Stärkantrinkens an Dreikönig.

Und in anderen Regionen war dies ähnlich. So berichtet der unterfränkische Bezirksheimatpfleger Dr. Reinhard Worschech 1978 in seinem Buch: „Fränkische Bräuche zur Weihnachtszeit“: Bis um die Jahrhundertwende führten im ehemaligen Bezirk Ebern die Männer ihre Frauen am Dreikönigstag in das nächste Wirtshaus, um sich bei einem "Biergelage" die sogen. "Stärke" anzutrinken, die sie für das kommende Jahr brauchen. Auch in Haßfurt gingen noch um 1930 die Frauen ins Wirtshaus, um die Stärke zu trinken, so Dr. Worschech. Auch hier scheint der Brauch in Vergessenheit geraten zu sein.

Ganz anders in Südthüringen, wie z.B. in unserer Nachbargemeinde Rieth: Am Nachmittag des "Überschten" trifft sich zunächst vor allem die ältere Generation in der Dorfwirtschaft. Am Abend folgen dann vor allem die jüngeren Paare, die traditionell an Dreikönig die Gaststätte aufsuchen. Zunächst wird ein kräftiges Essen (meist Sauerbraten mit Thüringer Klößen) zu sich genommen, bevor die "Stärk" für das kommende Jahr getrunken wird.  "Bier, Schnaps, Wein, was halt so schmeckt!", erklärt Willi Weber am Stammtisch.

Wie es in alter Zeit war, weiß Edwin Schäfer zu berichten. Früher wurde das "Stärktrinken" vor allem in der Lichtstube gefeiert. Meist wurde ein Fäßchen Bier, manchmal auch zwei, getrunken. Mit einer "Ziehorgel" wurde Musik gespielt, es wurde getanzt und gesungen. Die Mädchen brachten Sauerbraten mit, der um 10 Uhr abends verspeist wurde. Doch im Gegensatz zum Königshöfer Grabfeld verschwand dieser schöne Brauch nicht mit dem Ende der Licht- bzw. Spinnstuben in den fünfziger Jahren. Ab diesem Zeitpunkt feierte die Dorfjugend ebenfalls im Dorfwirtshaus - und das ist bis heute so geblieben. 

Zu den Ursprüngen dieses, wie es scheint, jahrhundertealten Brauches: Der bereits zitierte Pfarrer Leopold Höhl schrieb 1892 in seinem "Rhönspiegel" über das Stärkeantrinken: "Die Weiber, ledig oder verheiratete, lassen sich ins Wirtshaus führen, und brin­gen ein gut Teil von ihrem Eiervorrat mit. Die Burschen und Männer stellen das Bier, die rohen Eier werden hineingeschlagen und nun wird mit dem Tranke die Stärke getrunken. Wo die Bur­schen Eier terminieren, haben sie auch ein kleines Lied, das sie singen: Weiße Händ und braune Schnür, wolla es Meigala nei's Wirtshaus führ. Häng  a seidna Fada raus, schaut die schöne Jungfrau aus. Weiße Läblich, süße Wei', 'n Meighala stihn die Haube fei."

In dem 1994 von Gustav Schmidt herausgegebenen Buch "Oberfränkisches Brauchtum in alter und neuer Zeit" ist nachzulesen: Am frühen Morgen schon trank man einst im Fränkischen zu Hause nüchtern ein Gläschen Schnaps, und zwar dem Alter nach, vom "Herrla" bis zu den kleinen Kindern herunter. Gerade dem Trunke am Morgen wurde eine große Zauber- und Heilkraft zugeschrieben, und der in der Flasche verbleibende Rest an Schnaps wurde von der Mutter sorgfältig für alle Krankheitsfälle aufbewahrt, er galt als schützend und stärkend bei allen wichtigen Unternehmungen. Er zählte als Gesundheitstrunk.

Das Trinken der Stärk' dürfte der Rest eines alten germanischen Trunkopfers sein. Am Tag der Wende der Sonne, am Julfest, brachte man den Göttern, dem Altvater Wodan, dem Sonnengott Freir und seiner Gemahlin Freia besondere Opfergaben dar, und man versammelte sich mit den Freunden und Stammesgenossen zu mehrtägigem Gelage, und bei diesem Julbiertrinken bewahrheitete sich so recht der Spruch: Die alten Deutschen tranken immer noch eins! Namentlich die Nordgermanen in Schweden und Norwegen hielten lange an diesem alte Brauch fest.

Georg Heinz berichtete 1925: "So ist an Neujahr und am 6. Januar beim Dorfwirte großer Betrieb; denn nach dem Brauche der Väter muß man sich am ersten Tag im neuen Jahr die Schönheit und am Dreikönigstag, dem "Obersten" oder "Oberschten", die Stärke trinken. Beim Trinken der Schönheit haben es natürlich die rotwangigen Dorfmädchen und die sorglosen Bauernburschen am notwendigsten, und deshalb ist am 6. Januar in der Dorfschenke hauptsächlich das Jungvolk die Kräfte anzutrinken für die kommenden schweren Arbeiten im Laufe des Jahres. Wer auch sonst das ganze Jahr über allen Alkohol meidet, läßt es sich nicht nehmen, an einem dieser Tage dem Bier und Schnaps tüchtig zuzusprechen und es gilt auch nicht als Schande, wenn man beim Schön- oder Stärketrinken etwas zu viel hinter die Binde gießt und wenn es dann in der Trunkenheit zu allerlei Händel und Streitigkeiten kommt.

Die Burschen preisen beim Schöntrinken in alten Liebesliedern die Schönheit, den Fleiß und die Tugenden ihrer Liebchen und alles, was das weibliche Jungvolk an Schönbier, Schnaps und Wein trinkt, wird von ihnen bezahlt. Das Geld für die oft nicht geringen Zechen haben die Dorfburschen ja schon beisammen: Beim "Peitschen", "Fitzeln" oder "Pfeffern" mit der Wacholdergerte am Andreasabend und am Neujahrsmorgen wurde eine hübsche Summe "Peitschgeld" erworben und von diesem darf auch kein Heller übrigbleiben. Die Mädchen selber haben beim Schöntrinken nur für die Süßigkeiten, für Bretzeln, Lebkuchenherzen und Pfeffernüsse zu sorgen. Die Burschen trinken immer auf das Wohl der Mädchen mit den gemeinsam gesprochenen Worten: "Wir trinken auf eure Schönheit!" Dann reicht jeder seinem Mädchen das Glas Wein und diese trinken den Liebhabern mit dem Gruße zu: "Wir trinken auf eure Gesundheit!" Schließlich reichen sich die jungen Leute die Hände und in die eisigkalte Nacht hinaus ertönt die alte Weise:

 

- Am Dreikönigstag trifft man sich im Dorfgasthaus Berlenz in Sternberg um die sogenannte Stärke für das kommende Jahr anzutrinken. Einst war dieser Brauch auch in den Dörfern unserer Gemeinde verbreitet. Es ist nicht auszuschließen, daß dieser Brauch seinen Ursprung bei den alten Germanen hat. –

 

"Wir trinken so fröhlich und trinken

den perlenden, perlenden Wein;

Komm Mädel und trink dir die Schöne,

Komm Mädel und trink dir die Schöne!

Komm Mädel, schenk ein, schenk ein!"

 

Umgekehrt ist es beim Trinken der Stärke; da sind die Frauen und Mädchen die Schenkenden und Zahlenden und den Mannsleuten wird am Dreikönigstag zuerst zugetrunken. Reicht eine Dorfschöne ihrem Anbeter einen Krug Wasser, so ist das ein Zeichen, daß sein Werben ganz umsonst ist und daß sie nichts mit ihm zu tun haben will, schlägt die Jungfrau aber ein rohes Ei - Symbol der Kraft - in sein Bier, dann verrät sie, daß sie gerne seine Braut ist oder werden will. Die oben genannte Weise lautet beim Stärketrinken:

"Wir sitzen so fröhlich und trinken

das schwarzbraune, schwarzbraune Bier;

Komm Mädel, wir trinken die Stärke,

Komm Mädel, wir trinken die Stärke!

Komm Mädel, den Trunk gib mir!"

 

Dienstbotenwechsel an Dreikönig

 

Im Grabfeld war es einstmals üblich, daß am Dreikönigstag die Dienstboten wechselten, so z.B. in Obereßfeld, Herbstadt, Rothausen oder in Irmelshausen. Entweder holte der neue „Herr“ auf dem „Reiswäggela“ (Reisewagen) oder dem Pferdeschlitten Knecht bzw. Magd nebst deren Lade (Koffer) ab oder aber die Burschen von der Lichtstube.  Sie brachten nach der Abschiedsfeier auf dem Hof die „Möd“ (Magd) samt ihrem Gepäck mit Wagen und Pferden zu ihrem neuen Arbeitsplatz. Dort bewirtete sie der Bauer reichlich mit Essen und Trinken, bevor sie sich wieder auf den Heimweg machten.

Blieb eine Magd weiter auf dem Hof, kamen sie auch auf ihre Kosten. Dann wurden nämlich „Laden gerückt“. Sämtliche Burschen stürmten in die Kammer des Mädchens, zogen alle Schubladen aus der Kommode und warfen das Untere zu Oberst. Zum Lohn für ihre „Mühe“ mußte die Magd die Eindringlinge zu einer tüchtigen Vesper mit Wurst, Brot und Bier, Kaffee und Kuchen einladen. 

Die neue Zeit brachte mit sich, daß keine Dienstboten mehr gebraucht wurden und dieses Brauchtum damit verloren ging.  Folgende Zahlen mögen dies verdeutlichen. In Obereßfeld gab es 1792 noch 17 Mägde und 16 Knechte, 1931 nurmehr zwei Knechte und fünf Mägde  und ab 1937 weder Knecht noch Magd.

 

                                                                        Reinhold Albert

 

Literatur:

Dünninger, Josef: Fränkische Weihnacht. In: Frankenland, Zeitschrift des Frankenbundes Nr. 6/1960:

Goldmann, Karlheinz: Weihnachten in Franken, 1984:

Hofmann, Carl Bonaventura: MS Aufzeichnungen über Obereßfeld, 1944;

Höhl, Leopold: Rhönspiegel - kulturgeschichte Bilder aus der Rhön, 1892;

Journal von und für Franken, 1792;

Kröner, Alfred, Verlag: Wörterbuch der deutschen Volkskunde,  1974;

Lorenz, H: Volkskundliches aus Irmelshausen, MS um 1975;

Schmidt, Gustav (Hsg.): Oberfränkisches Brauchtum in alter und neuer Zeit, 1994;

Schwarz, Georg: Die Vorweihnachtszeit und die heili­gen zwölf Nächte, 1991;

Volkskundliche Umfrage des Vereins für Volkskunst und Volkskunde von 1908, die frdl.-weise von Kulturoberrat Dr. Klaus Reder z.V. gestellt wurde;

Wähler,  Martin: Thüringische Volkskunde, 1940;

Worschech, Reinhard: Fränkische Bräuche zur Weihnachtszeit, 1978;

Fotos: Robert Silbersack (1), Walter Häusler (1), Reinhold Albert (5); Lektorat: Susanne Albert;

 

 

 

 

 

 

 




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