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Plantanz in Obereßfeld

 

 Plantanz in Obereßfeld 1949

 

1949 fand in Obereßfeld letztmals ein Plantanz statt, den die jungen Burschen und Mädchen mit großer Begeisterung veranstalteten. Zuvor fand dieser traditionelle Tanz bereits Mitte der 20er Jahre statt und es war damals höchste Zeit diese Kirchweihveranstaltung wieder aufleben zu lassen, denn ein Plantanz musste spätestens nach 25 Jahren abgehalten werden, ansonsten ging dieses ausschließliche Recht der Unverheirateten auf die Verheirateten über. Ursprünglich durften an diesem Plantanz nur Einheimische teilnehmen, damit die ortsansässigen Mädchen oder Burschen nicht „sitzen blieben“. 1949 wurde allerdings diese Bestimmung schon etwas gelockert und auch auswärtige Mädchen oder Burschen durften teilnehmen, wenn sie mit Obereßfeldern liiert waren.

Einige Zeit vor der Kirchweih wurden die Tänze einstudiert. Die Obereßfelder Kirchweih fand damals noch, wie allerorts üblich, an Martini im November statt.

Am Freitag vor der „Kirba“ holten die Planburschen die beiden Planbäume, wovon der größere am Planplatz in der Nähe des Rathauses und der kleinere vor der Gastwirtschaft „Harmonie“ aufgestellt werden sollte. Zwei Reiter, ein vier-spänniger Langholzwagen und die 13 Planburschen zogen gegen 12 Uhr los, um die Räume im mittleren Schwarzen Stock bei Schwanhausen zu fällen. Der eigentliche Planbaum, die größte Fichte in diesem Waldstück, war etwa 30 m groß, der kleinere wurde traditionell „gemopst“, damals im Waldstück des Birkenfelder Grafen bei Schwanhausen.

Auf dem Rückweg wurde zunächst Station beim Sägewerk Kalnbach in Sulzdorf eingelegt, wo der älteste und somit zum Oberplanburschen gekürte Reinhold Haßmüller den kleineren Baum an Max Kainbach verkaufte, damit sie etwas Geld zum Einkehren hatten. Frohen Mutes begaben sich die Burschen in die Gaststätte „Grüner Baum“ in Sulzdorf und Gastwirt Hans Eckhardt gewährte den fröhlichen Planburschen Sonderpreise, so dass sogar noch etwas Geld übrig blieb. Schließlich zog man mit dem Gespann gen Obereßfeld und es passierte, was nach Möglichkeit nicht geschehen durfte, weil beide Bäume keinesfalls „angeschunden“ sein durften. War es der Alkohol oder waren es unglückliche Umstände? In der Kurve in Höhe des Anwesens Schweibold in Sulzdforf geriet das Gespann ins Schlingern und stürzte in den Straßengraben. Den Burschen fiel ein Stein vom Herzen, als sie, nachdem das Gefährt wieder fahrbereit auf der Straße stand, feststellten, dass die Bäume unbeschädigt geblieben waren.

Gegen 17 Uhr war Obereßfeld erreicht und die Planburschen wurden von den Planmädchen am Ortseingang mit Glühwein und Plätzchen empfangen. Die Bäume wurden schließlich am Planplatz abgelegt und selbstverständlich in den kommenden Tagen und Nächten schärfstens bewacht, damit der Stolz des Dorfes nicht abhanden kam.

Am Samstagmittag wurden die beiden Bäume ausschließlich mit Muskelkraft der Burschen unter Zuhilfenahme von sog. Schwalben (am Kopfende zusammengebundene Stangen) aufgestellt. Der Baum am Planplatz war so schwer, dass sich die Burschen entschlossen, acht Meter abzusägen, um ihn hochhieven zu können. Zuvor hatten die Planmädchen an beiden Bäumen Papierschleifen und geflochtene Fichtenkränze angebracht. Nach einigen Stunden Schwerstarbeit wurden die trockenen Kehlen in der Harmonie erst einmal ausgiebig geölt.

Der Plantanz begann dann am Nachmittag des Kirchweihsonntags. Planwirt und

zugleich Zeremonienmeister war der allseits bekannte und beliebte Maurermeister Josef Rink, für den es eine große Ehre darstellte, dieses Amt ausüben zudürfen. Die Planburschen waren bekleidet mit einem „Schaß“ (Gehrock), einem Zylinder, dunkler Hose, weißen Hemden und einem „Schmetterling“. Die Planmädchen trugen lange, weiße Kleider. Geschmückt waren diese mit einer Nelke im Haar. Die 13 Burschen und der Planwirt trafen sich mit den Musikanten zunächst in der Wirtschaft. Jedes Mädchen wurde nun von diesen zu Hause abgeholt. Die Musik spielte ein „Ständela“ und der Planwirt, der einen Krug Wein mitführte, schenkte dem jeweiligen Planmädchen und dem dazugehörenden Planburschen ein Gläschen Wein ein, das gemeinsam vor dem jeweiligen Haus geleert wurde. Als Begrüßungsgeschenk erhielt jeder Bursche von seinem Mädchen eine Nelke, die er in ein Knopfloch steckte.

Lag zwischen den Wohnhäusern der Mädchen eine größere Strecke, ließen es sich die Musikanten nicht nehmen, auch unterwegs einen Marsch zu schmettern. Als alle 13 Pärchen vollzählig waren, zog die frohe Schar zu Pfarrer Hofmann. Die Musikanten spielten im Pfarrhof ein Stückchen und Oberplanbursche Reinhold Haßmüller begab sich mit seinem Planmädchen Elisabeth in die Wohnstube des Pfarrers. Das Planmädchen überreichte diesem traditionsgemäß einen selbstgebackenen Streuselkuchen und der Pfarrer erhielt eine Einladung zum Plantanz. Er beschenkte das Pärchen Unit einem Bocksbeutel und ließ es sich nicht nehmen, Kirmessprüchlein zum Besten zu geben. Die Musikanten und die übrigen Planpärchen wurden im Hofe von der „Pfarrersköcha“ bedient.

Schließlich zog man weiter zu Bürgermeister Stefan Harth, der ebenfalls eingeladen wurde, nachdem auch dort die Musikanten ein Liedchen intonierten. Der Bürgermeister wurde mit einer Flasche Wein beschenkt, hatte seinerseits aber auch einen guten Tropfen für das Mädchen des Oberplanburschen parat.

Gegen 14 Uhr trafen die jungen Leute am Planplatz ein, schon freudig von der Bevölkerung erwartet. Dort tanzten sie um den Planbaum herum drei Touren, und zwar einen Walzer, einen Schottisch sowie einen Wechselrheinländer, bei dem zwischen den Pärchen durchgewechselt wurde. Die Musikanten spielten bei diesem Stück solange, bis das zusammengehörende Pärchen wieder im Tanze vereint war. Zwischen den Tänzen musste jeder Bursche ein selbstgedichtetes Kirchweihsprüchlein aufsagen. Hubert Harth kann sich noch erinnern, dass er damals folgendes Sprüchlein wählte: „Dem Ochsen gibt das Wasser Kraft, dem Menschen Bier und Rebensaft. Drum trinke Bier und Wein, das Wasser lass dem Ochsen sein!“

Nach diesen Einlagen zogen die Plantänzer unter Anführung des „Rink Sepps“ in den Tanzsaal der Harmonie. Dort angekommen erhielt jedes Mädchen ein Glas Wein. Jetzt spielten die Musikanten zunächst drei Extratouren für die Burschen und dann für die Mädchen. Diese holten sich unter der vor dem Gasthaus wartenden übrigen Bevölkerung zahlungskräftige „Mannsbilder“, die nach dem Tanz zu einer Spende für die Plantänzer verpflichtet waren. Nach diesen sechs Touren durften ebenfalls die übrigen Besucher das Tanzbein schwingen. Um 18 Uhr wurde eine Stunde Pause eingelegt und bevor erneut getanzt wurde, lud das Planmädchen seinen Planburschen zum Abendessen ein. Es gab entweder Kotelett, Bratwürste oder Hackbraten - für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Mahlzeiten. Der Tanz währte dann bis zwei Uhr nachts.

Am Montagmorgen stand zunächst ein gemeinsamer Kirchgang auf dem Programm. Die Plantänzer trafen sich vor der Wirtschaft und zogen unter Anführung der Musikanten und des Planwirtes zur Kirche. Von weitem konnte man den Eindruck gewinnen, dass lauter „Hochzigspärlich“ unterwegs waren. Damals war es üblich, dass am Kirchweihmontag ein Gottesdienst mit Friedhofsgang gehalten wurde, um der Verstorbenen der Gemeinde zu gedenken. Anschließend ging es zum Frühschoppen. Um 12 Uhr wiederholte sich die gleiche Zeremonie des Vortages. Jetzt musste das Zweitälteste Pärchen einen Kuchen mitbringen. Dies war ein Streuselkuchen mit „Plootzdeckel“. Pfarrer und Bürgermeister wurden jetzt nicht extra eingeladen. Am Planbaum angekommen, wurde der Kuchen in etwa 2 m Höhe genagelt. Dieser Kuchen wurde später in der Wirtschaft versteigert.

 

Plantanz in Obereßfeld 1994

 

Gelang es den Ledigen den Kuchen, der von Polizisten des Gendarmeriepostens Obereßfeld „bewacht“ wurde, zu mopsen, gehörte ihnen der Erlös. War es ein Verheirateter, dann durften diese den Reibach einstecken. Zuvor hatten sich beide Parteien bereits zahlreiche Kniffe und Tricks überlegt, den Kuchen zu erheischen.

Zunächst wurden jedoch wiederum die Plantänze aufgeführt und Oberplanbursche Reinhold Haßmüller hielt eine humorvolle Kirmespredigt, die an die Stelle der Sprüchlein vom Vortag trat. In dieser „Predigt“ wurde das aktuelle Dorfgeschehen kräftig auf die Schippe genommen. Aber auch Vergangenes und Zukünftiges wurde persifliert. Hierbei bildeten die Planburschen und -mädchen einen Kreis um den Planbaum und jede Partei wartete auf den günstigsten Moment, sich den Kuchen anzueignen. Polizisten und Verheiratete steckten bei dieser großen Gaudi unter einer Decke, und Theo Hanf sollte den Kuchen bei einer absichtlichen Unaufmerksamkeit der Gendarmen vom Baum abnehmen. Die Ledigen waren allerdings schneller. Hubert Ruck nutzte einen günstigen Moment und kaum hatte man sich versehen, war dieser außerhalb des Kreises und hatte somit die begehrte Trophäe den Ledigen gesichert. Jetzt zog man wieder ins Wirtshaus und der Tagesablauf verlief ähnlich wie am Vortag, nur dass abends die Mädchen von den Burschen zum Abendessen eingeladen waren.

Während des abendlichen Tanzes mussten die Ledigen ab 9 Uhr für zwei Stunden den Tanzsaal verlassen. Jetzt durften ausschließlich die „Verheierten tanz“. Das junge Volk begab sich ins Nebenzimmer der Harmonie. Die Mädchen hatten Kuchen und Plätzchen mitgebracht, der Wirt steuerte den Kaffee bei. Bei den Plätzchen handelte es sich zumeist um Kokosplätzchen, die seit dieser Zeit in Obereßfeld scherzhaft die Bezeichnung „Maß-Bier-Pletzlich“ erhielten. Und dies kam so: Als die Mädchen in der Woche vor der Kirchweih mit Plätzchenbacken beschäftigt waren, kamen einige Planburschen auch am Haus des Planmädchens Elisabeth vorbei. Ihr Planbursche und spätere Ehemann Reinhold Hassmüller begehrte einige „Versücherlich“, worauf ihm Elisabeth entgegnete, dass er diese nur bekomme, wenn er eine Maß Bier holen würde. Das Unerwartete geschah tatsächlich, und der junge Mann konnte als erster von den Plätzchen für den Plantanz kosten. Der Abschluss des Plantanzes fand am Dienstagabend statt, nachdem auch am Montag bis weit nach Mitternacht das Tanzbein geschwungen wurde. Die am Plantanz Beteiligten trafen sich noch einmal in der Gastwirtschaft. Großherzige Spender hatten einige „Fesslich“ Bier spendiert und Robert Burger aus Lichtenfels, der zu Besuch weilte, spielte mit seinem Knopfakkordeon noch einmal zum Tanz auf. Die Planbäume wurden in der Woche nach der Kirchweih gefällt und an Holzhändler verkauft. Der Erlös fand zur Deckung der Unkosten des Plantanzes Verwendung.

Der Dorfverein Oberessfeld ließ diese uralte Tradition wieder aufleben. Sowohl 1989 als auch 1999 führte er einen Plantanz auf.  25 Jahre waren längst seit dem letzten Plantanz vergangen, so dass nunmehr die Verheirateten das Recht zur Ausrichtung des Tanzes für sich in Anspruch nehmen können.

 

Reinhold Albert




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