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Reinhold Albert                                         Juli 2009

 

 Getreideernte im Wandel der Zeit

 

In unseren Tagen ist die Ernte mit Hilfe moderner Maschinen schnell eingebracht. Kaum jemand erinnert sich noch der Mühen und Plagen, die unsere Vorfahren auf sich nahmen, um das Korn für das tägliche Brot zu erhalten.

In alter Zeit, als noch mit dem Dreschflegel gearbeitet wurde, war eine Bauernfamilie oft den ganzen Winter über mit dem Dreschen beschäftigt. Das Korn war früher die zuerst reifende Frucht und eröffnete in der zweiten Julihälfte die „Schnitternt“. Ehe durch die Hand des Mähers oder der Schnitterin die ersten Halme fielen, flehten sie für das bevorstehende Werk den göttlichen Segen herab. Der Vormäher oder die Vorschnitterin sprachen: „Lasst uns nun in Gottes Namen die Ernte beginnen. Er gebe uns zu unserer Arbeit seinen Segen!“

 

 

Ursprünglich wurde mit der Sichel geschnitten, später aber mit einer Sense mit aufgeschraubtem Fruchtgestell, welches das Zurückfallen der Halme verhinderte. Diese historische Aufnahme entstand 1932 in Obereßfeld. Pfarrer Carl Bonaventura Hofmann fotografierte.

 

Ursprünglich wurde mit der Sichel geschnitten, später aber mit einer Sense mit aufgeschraubtem Fruchtgestell, welches das Zurückfallen der Halme verhinderte. Vorsichtig wurden Garben gerafft und mit Strohbändern zusammengebunden, anschließend zum Trocknen auf Haufen gesetzt. Sankt Michael und Sankt Vitus galten als Schutzheilige der Schnitter, und ein alter Spruch besagt: „Heiliger Michel, helf, dass ich mich net sichel. Heiliger Veit, helf, dass ich mich net schneit!“

 

Vorsichtig wurden Garben gerafft und mit Strohbändern zusammengebunden, anschließend zum Trocknen auf Haufen gesetzt. Das Foto, das Kurt Baer z.V. stellte, entstand 1930 auf dem Dörfleshof bei Ottelmannshausen 1930.

 

 

Die Arbeitsleistung der Schnitter und Schnitterinnen war bewundernswert. Vom Sonnenaufgang bis zum Abend arbeiteten sie unermüdlich, zumeist in gebückter Stellung, nur mit einer etwa zweistündigen Unterbrechung, oft bei tropenähnlicher Gluthitze.

Die Garben wurden schließlich mit dem Kuhgespann, reichere Bauern hatten ein Pferdegespann, nach Hause gefahren und auf der Tenne gelagert. Die letzte Fuhre lud man besonders hoch und schwer, um sie als Repräsentantin einer guten Ernte erscheinen zu lassen. Ladebaum und Pferd oder Kühe wurden mit Blumen und Bändern geschmückt, und einige Schnitterinnen und Schnitter thronten gewöhnlich auf der letzten Fuhre.

Nun war das wichtigste Ereignis des Jahres gekommen, auf das die Dorfbevölkerung schon wochenlang mit freudiger Spannung wartete - das Erntefest. In langer Kolonne zogen, ihre geschmückten Erntegeräte tragend, die Schnitterinnen und Schnitter, angeführt von der örtlichen Blaskapelle, durch das Dorf auf den „Plaa“ (Plan = Dorfplatz). Bis in die späte Nacht wurde getanzt und gefeiert. Für leibliche Genüsse war selbstverständlich in reichstem Maße Sorge getragen. Selbst die Pferde und Ochsen hatten am Erntefest einen Ruhetag und erhielten die doppelte Ration Hafer.

 

 

Die letzte Fuhre lud man besonders hoch und schwer, um sie als Repräsentantin einer guten Ernte erscheinen zu lassen. Das Foto entstand 1930 ebenfalls auf dem Dörfleshof bei Ottelmannshausen.

 

 

 

Das Dreschen mit dem Dreschflegel

Nun begann die zeitraubende Arbeit mit dem Dreschflegel, der heute auf vielen Bauernhöfen nur noch Dekorationsgegenstand ist und an vergangene Zeiten erinnert. Der Dreschflegel bestand aus fünf Teilen: Der Handhabe, dem Döggela, dem Mittelband, dem Hut und dem Flegel aus Birken- oder Buchenholz. Benutzt wurde Schweinsleder, das aus den dicken Schwarten der hausgeschlachteten Schweine gegerbt worden war.

Das Dreschen mit dem Dreschflegel war eine sehr schwere Arbeit, die selbst starke Männer nicht stundenlang ausführen konnten. Oft begann die mühsame Arbeit schon frühmorgens um zwei Uhr. Zunächst wurde zur Stärkung ein Schluck Schnaps getrunken.

Ein alter Bauer aus dem Grabfeld berichtete vor einiger Zeit: „Wir haben zwei, drei Stunden gedroschen und nachher haben wir einmal ausgesetzt und Brot gegessen und Schnaps getrunken, und nachher ist es weitergegangen bis sieben Uhr früh. Dann gingen wir in die warme Stube und haben uns einmal so richtig satt gegessen. Da hat es Kaffee und Arepfel (Erdäpfel = Kartoffel) geben. Wenn er auch ein bisschen gestunken hat, der Kübelkäs, den es dazu gegeben hat, aber gut war er doch. Wir haben fest neighaut!

Nachher haben wir weiter gedroschen bis mittags. Da hat es Sauerkraut und Knöchlich geben und saftige Brühe sowie Tiechelkuchen. Wieder ist es weitergegangen bis drei Uhr und dann ist ausgesetzt worden.

Beim Dreschn is es so gegangen: Des Stroh runter (6 - 8 Garben), gebauscht (im Bund rechts und links gedroschen), aufgemacht un auseinander gebreitet, durchgedroschen und gewendet, durchgedroschen und geraffelt, zu Schütt (Strohbündel) gebunden, gestaucht und mit einem Strüpf oben zugebunden!“ Soweit die Schilderung eines Zeitzeugen.

 

 

 

Das Dreschen mit dem Dreschflegel in alter Zeit.

 

Das Dreschen mit dem Flegel geschah im Takt

Das Aufschlagen der Dreschflegel auf die Tenne im Takt war weithin zu hören. Bei genauem Hinhören konnte man erkennen, wie viele Drescher in der Scheune tätig waren. Takt halten war oberstes Gebot und Stolz der Drescher. Der schnellste und damit ermüdendste Rhythmus war, wenn nur zwei Personen droschen. Am häufigsten arbeiteten drei bis vier Personen zusammen. Die Ruhepausen, die durch ein längeres Schlagintervall entstanden, dauerten ein wenig länger, doch ein Schlagrhythmus erforderte Erfahrung, Gefühl und Unterordnung.

Zu jedem Dreschakt gab es einen Reim, der mitgesprochen wurde, so z.B. beim Vierviertel-Takt: „Knöpfle, Kraut und Speck im Hafen, müsset meine Drescher haben.“ Bei zwei Dreschern war zu hören: „Komm hilf - koch Klöß“, bei dreien „O Gottlein, schlag Du zu, Back Dätscher!“, bei vieren „Bäcker, back Dätscher, jetzt gehts mer besser! Brauche keinen Menschen mehr, lasse Dich heimgeigen, behalte Deinen Ochsen, verkaufe Deine Stiere!“ Wenn es fünf Drescher waren lautete ein Spruch: „Packe an und helfe mit!“ und wenn es sechs Drescher waren: „Da droben, da droben, da tanzen die Buben. Back Kuchen, back Dätscher, schlag Du zu, lass mich ruhen!“

 

Bei einem Dorffest in Gollmuthhausen 1989 wurde das Dreschen mit dem Dreschflegeln noch einmal vorgeführt.

 

Dem Dreschen folgte das Reinigen der Körner

Nach dem Ausdreschen mussten die Körner gereinigt werden. Die einfachste Art, das Getreide zu reinigen, war, mit der relativ kurzstieligen Wurfschaufel das Korn gegen den Wind zu werfen. Leichte Spreu trennte sich von den schweren Körnern. Die gängigste Methode war, mit der langstieligen Kornschaufel das Getreide in ein feinmaschiges Sieb zu schaufeln, wo es gerüttelt und geschüttelt wurde. Die anfallende Spreu wurde als Kleie den Kühen verfüttert.

 

 

Eine Vorgängerin der Dreschmaschine war die Wurfmühle, die dazu diente, die Körner zu reinigen. 1989 wurde eine solche Putzmühle (im Vordergrund) bei einem Fest in Großbardorf gezeigt.

 

Eine Vorgängerin der Dreschmaschine war die Wurfmühle, die dazu diente, die Körner zu reinigen. In den an der Oberseite der Mühle befindlichen Trichter wurden die beim Dreschen gewonnenen Körner eingeschüttet und durch die eingebauten Siebe gerüttelt. Ein Windrad hatte die Aufgabe, die Spreu abzublasen. Der Unkrautsamen verließ auf der Seite die Maschine, und die mehr oder weniger gut gereinigten Körner kamen an der Unterseite heraus. Die Mühle wurde von Menschenhand gedreht und in Gang gehalten.

Durch die viel Kraft erfordernde Arbeit scheinen die Drescher sehr hungrig gewesen zu sein. Noch heute sagt man, wenn jemand guten Appetit entwickelt: „Er frisst wie ein Scheunendrescher!“

In der Winterszeit, wo es auch in der Scheune bereits empfindlich kalt war, zog man in den Stall, um bei heimeliger Wärme die Strohseile zu flechten, die bei der Ernte zum Binden der Garben benötigt wurden. Schock für Schock, das waren jeweils 60 Strohseile, 180 - 200 cm lang, wurden gebündelt. Ebenfalls im Winter, aber nun im Wohnhaus, in der warmen Küche, wurden Strohseile gefertigt.  Nur bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts brauchte man auf dem Land das Stroh noch zum Dachdecken. Die strenger werdenden Feuerbestimmungen ließen die Strohdächer auf den bäuerlichen Nebengebäuden verschwinden.

Lediglich nach dem Zweiten Weltkrieg wusste man sich ob der Materialknappheit oft nicht anders zu helfen, als ein Dach mit Stroh einzudecken.

Kornstroh diente aber auch als Bettstroh. Wenn die Halme gut gewachsen waren, wurde mit ihnen ein Strohsack gefüllt, der die schönste Matratze ersetzte.

 

 

Eine Dampfmaschine trieb einst die Dreschmaschine. Das Foto entstand 1925 in Sulzdorf a.d.L.

 

 Der Siegeszug der Dreschmaschine

Nachdem die Dreschmaschine ihren Siegeszug begann, wurde noch bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts vereinzelt mit dem Dreschflegel gedroschen, da die Maschine das Stroh zerschlug und die Bauern langes Stroh für die Strohseile benötigten. Mitunter wurde auch noch mit dem Dreschflegel gedroschen, wenn im Sommer das Brot ausgegangen war und man schnell etwas Mehl zum Backen brauchte.

Die Technik hielt auch auf dem Land unaufhaltsam Einzug. Dresch-, Mäh-, Sämaschinen, der Selbstbinder und schließlich der Mähdrescher setzten zu einem atemberaubenden Siegeszug an. Wo beispielsweise auf einem Gutshof früher 25 Arbeitskräfte benötigt wurden, wird in unseren Tagen die gleiche Arbeit von drei Personen, die sich modernster Technik bedienen, betrieben.

 

Mitunter wurde eine Dreschmaschine auch mit einem Elektromotor angetrieben, wie auf diesem um 1930 in Obereßfeld aufgenommenen Bild zu sehen ist.

 

Dass man der Einführung neuer Techniken auf dem Land anfangs recht skeptisch gegenüberstand, zeigt ein Beitrag von Karl Zimmermann aus einem in Serrfeld aufbewahrten Lesebuch für Sonntagsschulen von 1918. Er schildert die Ernte um die Jahrhundertwende wie folgt:

„An Regentagen erschallt aus allen Ecken und Enden des Dorfes lustige Dreschmusik in verschiedenen Taktarten. Hei, wie die Flegel fliegen! Sie dreschen Korn, mögen es der Maschine, die so schlampt, nicht anvertrauen. Überhaupt die Maschinen! Sie sind noch nicht völlig eingebürgert und drängen sich zur Hauptdreschzeit in dreierlei Arten. Dort auf der offenen Scheuertenne steht eine Handdreschmaschine, auf der einen Seite ein Schwung-, auf der anderen Seite ein Zahnrad. Wie sich die Männer plagen, und wenn sie mit dem Dreschen fertig sind, müssen sie doch noch die Putzmühle drehen.

Da ist doch der Göpelbetrieb ein Fortschritt: Ein Ochse oder ein Pferd läuft den lieben langen Tag im Kreise herum, und ein Junge trabt hinter dem langen Hebebalken mit der Peitsche nach. Arme Tiere! Ich wende mich darum zur Dampfdreschmaschine, die im großen Pachthof tagelang ihr Summen und Brummen ertönen lässt. Die Kraft des Dampfes ist hier an die Stelle der Tier- und Menschenkraft getreten. Aber es fehlt trotzdem nicht an Arbeit, eine Menge von Menschen hastet in geschäftiger Eile. Was sie an körperlicher Arbeit sparen, das ersetzen sie durch geistige Kraft, denn das gewaltige Ungetüm mit seinem surrenden Räderwerk verlangt Besonnenheit und straft mangelnde Nüchternheit oft entsetzlich.

Wie ein Märchen klingt es uns heute, wenn wir hören von der Zeit, da es keine Maschinen gegeben, da die schwere Drescharbeit den langen Winter hindurch gedauert hat. Wie viel besser ist es doch geworden in Saat und Ernte! Wo früher bedächtig, mit dem Sack um Leib und Schulter, der Sämann samenstreuend schritt, da sät nun die Drillmaschine ihre Reihensaat. Wo sonst Schnitter ihr mühsamen Tagewerk verrichteten, da rasselt die Mähmaschine. Wo die Kinder Ähre um Ähre vom Boden lasen und wetteifernd zum Büschel banden, da kämmt der eiserne Rechen die Stoppeln. Der Knecht gabelt nicht mehr mit der schwerfälligen geschmiedeten Gabel, mit der sogenannten englischen Gabel spießt er die Garben an und schwingt sie sicherer auf. Fast ganz verstummt ist der Takt der Dreschflegel: Die Maschine hat gesiegt. Aber einer hat sich nicht verändert, der Vater im Himmel, der uns noch täglich speist, auch der Bauer nicht, der in alter Treue auf der Heimatscholle sitzt. Gott schütze auch fernerhin den Bauernstand!“

 

Maschine verkürzte Arbeitszeit

Den ersten Fortschritt brachte eine kleine Dreschmaschine, die von vier Personen per Hand angetrieben wurde. Eine weitere Person legte das Getreide ein. Zusätzliche Arbeitserleichterung stellte dann der Holzgöbel dar, den, je nach Besitz des Bauern eine Ochse oder ein Pferd antrieb. Die Dampfmaschine (Lokomobil) kam in der Regel erst nach dem Ersten Weltkrieg auf.

 

Mit dem Selbstbinder wurden einst das Getreide geschnitten. Das Foto entstand 1960 in Sternberg.

 

Das Dreschen mit der Maschine verkürzte eine einst wochen- und monatelange Arbeit auf Stunden oder höchstens zwei  bis drei Tage. Trotz Maschine blieb das Dreschen nach wie vor ein besonderes Ereignis.

Als erstes wurden die „Fuhren“ gedroschen. Manchen Bauern, besonders den ärmeren, war oft schon das Mehl zum Brotbacken ausgegangen, und sie konnten deshalb nicht warten, bis sie mit dem Dreschen an der Reihe waren. Deshalb wurden am Dorfplatz vorweg einige Fuhren „Gemang“ gedroschen und die Körner gleich zur Mühle gefahren, um wieder Mehl zu haben.

Gründe für das „Vordreschen“ waren mitunter auch Platzmangel, d.h. der Bauer konnte nicht seine gesamte Ernte in der Scheune unterbringen. Oft musste auch der Bedarf an Saatgut für die Herbstsaat, Futtergetreide und Stroh gedeckt werden.

 

 Ein Dreschgesteck aus Lindenau und Streufdorf drosch 1934 in Eyershausen das Getreide.

 

Nachbarschaftshilfe war weit verbreitet

Zum Dreschen mit der großen Maschine wurden 15 bis 20 Mann benötigt. Da meist alle Bauern eines Dorfes auf die Hilfe anderer angewiesen waren, musste jeder auch in der gleichen Weise bereit sein, den anderen zu helfen. Das Prinzip der Nachbarschaftshilfe war weit verbreitet.

Früh um vier Uhr schürte der Heizer die Dampfmaschine an, da man ab 6 Uhr Dampf zum Dreschen benötigte. Arbeitsende war meist um 18 oder 19 Uhr. Zieht man davon zwei Stunden Pause ab, so blieb eine reine Arbeitszeit von wenigstens zehn Stunden. Abends wurde, wenn es darum ging, bei einem Bauern fertig zu dreschen, auch noch länger gearbeitet, unter Umständen mit Laternenbeleuchtung. Es schloss sich dann auch noch das Umsetzen der Maschine zum nächsten Bauern an.

Leitungs- und Kontrollaufgaben beim Dreschen wurden vom Bauern oft zusammen mit dem Maschinisten wahrgenommen. Als erstes mussten die Garben auf die Maschine gebracht werden. Dazu waren zwei bis drei kräftige Leute nötig. Auf der Maschine wurden drei Personen benötigt - einer knüpfte die Garben auf, der andere reichte sie dem dritten, dem Einlasser, geöffnet hin. Dieser hatte dafür zu sorgen, dass das Getreide schön gleichmäßig in die Maschine eingeführt wurde. Ein „Selbsteinleger“, ein Zusatzteil auf der Dreschmaschine, machte später die beiden letzteren überflüssig.

Das Material, das oben in die Dreschmaschine eingeführt wurde, verließ sie an drei verschiedenen Stellen. Vorne kam das ausgedroschene Stroh heraus. Hier war es nun ein wesentlicher Unterschied, ob eine Presse vorhanden war oder nicht. Fehlte sie, so waren sechs bis sieben Leute am sogenannten Raffler im Einsatz. Zwei fingen das Stroh auf, weitere zwei banden es, und weitere Helfer schafften das Stroh weg. Die Presse reduzierte hier das Personal auf zwei bis drei Mann.

Im Mittelteil sonderte die Maschine die Sied und das Kurzstroh ab. Es wurde mit Körben weggetragen. Wurde auf einem Dreschplatz oder in einer Dreschhalle gedroschen, also außerhalb des jeweiligen Hofes, musste die Sied auf Leiterwägen transportiert werden.

Die Körnerfrucht verließ die Maschine am hinteren Ende. Sie wurde in Säcken abgefüllt, und zwei bis drei Arbeitskräfte waren mit dem Wegtragen beschäftigt. Solange kein Sackaufzug vorhanden war, mussten sie sich gegenseitig die Säcke auf die Schultern heben. Diese wurden dann entweder auf den Hausboden getragen, der mittels aufgestellter Bretter in mehrere Fächer abgeteilt war, oder auf Wägen geladen.

Die körperlich belastenden Arbeiten wurden von den Männern ausgeführt, dazu gehörten das Gabeln der Garben, das Ballenwegschaffen und das Sacktragen. Frauenarbeit war vor allem das Strohauffangen und -binden, auch das Wegtragen von Sied und Spreu wurde meist von ihnen besorgt.

Die Arbeit mit der Dreschmaschine wird als hart und unangenehm geschildert. Das schlimmste sei das Gabeln der Garben gewesen, am zweitschlimmsten das Säcke- und Siedtragen. Diese Arbeiten mussten meist von den eigenen Leuten getätigt werden. Die hoffremden Helfer drückten sich zumeist.

Strapaziös war oft auch das Aufschneiden der Garben und das Hinlegen, da es wegen der niedrigen Scheunendecke im Knien ausgeführt werden musste. Äußerst staubig waren das Strohauffangen und -wegschaffen. Die Frauen, die dort arbeiten mussten, trugen nicht nur Kopftücher, sondern mitunter auch Schleier vor dem Gesicht. Die Arbeit des Maschinisten war ebenfalls nicht einfach, vor allem solange mit Dampf gedroschen wurde. Wenn der Wind ungünstig stand, wurde auch er nicht vom Staub verschont. Bei ihm bestand die Härte aber vor allem in der Dauer der Arbeitszeit.

Der Staub war sicher die unangenehmste Begleiterscheinung beim Dreschen. Es konnte gelegentlich vorkommen, dass einzelne Helfer diesen nicht vertrugen und an Staubfieber erkrankten. Gefährlich war vor allem im Winter der Staub von schimmeligem Stroh.

 

 

 

Der Ausdruck „Maschinawächen“ ist ein geläufiges Wort dieser Zeit. Hierbei handelte es sich um große Schwarzbrotscheiben, bestrichen mit Butter und Marmelade, die beim Dreschen die Brotzeit bildeten. Das Foto entstand in alter Zeit in Sondheim im Grabfeld.


 

„Maschinawächen“ besondere Spezialität

Der Maschinist hatte übrigens auch dafür zu sorgen, dass immer genug Trinken bereitgestellt wurde, aber zugleich auch aufzupassen, dass niemand betrunken war. Während die anderen Brotzeit machten, musste er die Maschine durchschmieren. Reparaturen nahm er selbst vor. Ein Vorteil bei diesem Beruf war die gute Verpflegung, denn überall, wo gedroschen wurde, gab es auch besseres Essen.

Die Bedeutung der Verpflegung wird stets besonders hervorgehoben. Es gab Schweinebraten und Klöße oder Rindfleisch, Kraut, Nudeln, Bratwürste - als Vorspeise oft eine Suppe. Ohne Bier konnte man sich das Dreschen mit der Maschine einfach nicht vorstellen. Es gab aber auch Apfelmost, und wenn es kalt war, Glühwein.

Das Biertrinken muss man vor dem Hintergrund sehen, dass sonst auf den Höfen auch bei schweißtreibender Arbeit praktisch nur wenig Bier getrunken wurde. Auf manchen Höfen gab es nur dann Bier, wenn die letzte Fuhre Getreide heimgefahren war, also nach Abschluss der Ernte. Eine Brotzeit gab es überall.

Der Ausdruck „Maschinawächen“ ist ein geläufiges Wort dieser Zeit. Hierbei handelte es sich um große Schwarzbrotscheiben, bestrichen mit Butter und Marmelade.

Trotz der schweren Arbeit ging es beim Dreschen immer recht ausgelassen zu. Mitunter lief die Maschine vor lauter Ausgelassenheit des Bedienungspersonals längere Zeit leer. Verdruss machte vor allem die Technik. Besonders reparaturanfällig waren die Strohpressen.

Das Dreschen mit großen, durch die Lokomobile und später Elektrowagen oder Schlepper angetriebene Maschinen, geschah fast ausschließlich durch Genossenschaften oder Lohnunternehmer. Nur große Höfe besaßen eine eigene Dreschmaschine. Die hohen Kosten bei der Anschaffung der Lokomobile mit einem leistungsfähigen Dreschkasten einerseits und ihr weitgehend witterungsunabhängiger Einsatz andererseits begünstigten geradezu die Benutzung durch eine größere Anzahl von Landbesitzern.

 

 

Anfang der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts entstand dieses Foto in Sternberg. Nun wurde die Dreschmaschine mit einem kleinen Elektromotor angetrieben.

 

Auch die kleinen Dreschmaschinen, zuerst für Göpel- und später auch für den Antrieb mit den stationären Elektromotoren Motorantrieb, sind des öfteren von mehreren Landwirten gemeinschaftlich angeschafft und genutzt worden, wie seit Ende der fünfziger Jahre dann der Mähdrescher. Durch dessen Einführung verstummten der Klang der Dreschmaschine und der Schlag des Dreschflegels für immer in unseren Dörfern.

 

Erntefest

Das Erntefest, welches hier „Abschnitt“ heißt, ist das wichtigste Herbstfest. Aus den letzten Ähren flochten die Frauen Erntekränze, diejenigen, die auf den Gutshof arbeiteten, stellten sogar eine prachtvolle Erntekrone her. Die schönsten Ähren aller Getreidearten wurden dazu verwendet. Lange bunte Bänder und Blumen schmückten die Krone. Sie ist ein Symbol der Freude und des Erntesegens. Auf der letzten Fuhre brachte man sie unter fröhlichem Gesang zum Gutshof. Dort wurde sie dem Gutspächter mit folgendem Spruch überreicht:

Mit lauten Jubel bringen wir

den schönen Erntekranz.

Mit vollen Ähren prangt er hier

noch mehr als Goldes Glanz.

Wir schenken unserm Herrn die Kron

und wünschen ihm viel Glück.

Und rückt er heut dafür nichts raus,

nehm’ wir die Kron’ zurück.

Aber er hat schon immer „was rausgerückt“. Auf dem Gutshof gab’s für alle, die bei der Ernte mitgeholfen hatten, ein Erntemahl. Unmengen von Kaffee, Kuchen, Brot, Wurst und Bier wurden aufgetragen. Wenn man sich dabei gestärkt hatte, drehte man beim Erntetanz ein paar Runden. An diesem Tag erhielten die Knechte und Mägde vom Gutspächter ihren Lohn, der zum Teil in neuer Kleidung bestand.

 

 

Ab Mitte der sechziger Jahre waren allerorten Mähdrescher im Einsatz, die die Mühen und Plagen vergangener Zeiten vergessen machten.

 

 

In Ostheim v. d. Rhön fand acht Tage nach dem Kirchweihfest Mitte Oktober das Erntedankfest statt, wobei ein Erntekranz, von den Konfirmandinnen gebunden, an dem kleinen Altar aufgehängt und an die Stufen des Altarraumes gestellt wurde. Nach 1900 schmückte man ihn mit allerlei Früchten des Feldes. In ihrer Mitte thronte die Figur des segnenden Christus: „Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.“

Mit dem Aufkommen der Mähdrescher ist es mit dem schönen Brauch von Erntekranz bzw. Krone vorbei.

Ebenso überflüssig wurde durch den Mähdrescher das Drescherfest. Beim Dreschen half nämlich immer das ganze Dorf zusammen. Wenn man auf einem Hof damit fertig war, tischte die Bäuerin für alle eine kräftige Vesper auf, anschließend noch Kaffee und Kuchen.

Wenn das Wirtshaus gedroschen hatte, wurde gewöhnlich außerdem ein Tanz veranstaltet, ähnlich wie beim Erntefest auf dem Gut.

Einst gab es in der Neustädter Gegend das „Stupfelrecht“ der Jugend und der Armen. Man ließ an den Obstbäumen vereinzelt Früchte dafür hängen, die dann mit Begeisterung eingeholt wurden, wobei auch die gutsituierten Knaben – und erstmals auch die kletterlustigen Mädchen angesehenster Bürgerfamilien sich beteiligten. „In die Stoppeln“ der Getreidefelder gingen um 1900 nur noch ärmste Leute der Stadt Neustadt/Saale.

 

Reinhold ALBERT,

Kreisheimatpfleger im Landkreis Rhön-Grabfeld

 

 Riesige Mähdrescher leisten in wenigen Stunden heute die Arbeit, für die die Bauern einst Monate benötigten.

 

 Literatur:

Bedal, Konrad: Göpel und Dreschmaschine;

Schmidt, Hugo: Beiträge zur Geschichte der Stadt Ostheim;

Genth, Peter: Als Herrla und Fräla noch jung waren;

„Blätter für Heimatkunde“, Beilage zum Bote vom Grabfeld, Nr. 19/1932;

„Die Scholle“ 9/1955, 11/1954;

Breunig, Rudi: Die Dreschmaschine, in Heimatjahrbuch des Kreises Rhön-Grabfeld 1985;

A M Borst 1958: Einige Neustädter Sitten und Gebräuche um 1900

Förtsch, Wilhelm: Bilder aus der Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Ostheim vor der Rhön, Ostheim 1909

 

 

 

 




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